Die Trauerphasen

Trauerphasen und Trauerbewältigung

Veröffentlicht: 16.10.2011
Unabhängig davon wie lange die Trauer dauert gilt es einen Neuanfang zu finden.

Die Trauer um einen geliebten Menschen ist kein linearer Prozess und als solcher auch nicht vorhersagbar und planbar. Dennoch kann der gesamte Trauerprozess vom Erhalt der Todesnachricht bis hin zur vollständigen Akzeptanz des Todes im wesentlichen in vier Phasen unterteilt werden. Diese Trauerphasen bauen zwar aufeinander auf, sind aber trotzdem nicht eindeutig voneinander abgrenzbar.
Manchmal kommt es auch zu einem ständigen Hin und Her, sodass die einzelnen Trauerphasen mehrfach durchlaufen werden können. Unabhängig davon, wie lange der gesamte Trauerprozess letzten Endes dauert, ist es seine Aufgabe, den erlittenen Verlust zu akzeptieren und schließlich neu in das eigene Lebenskonzept zu integrieren. Oftmals ergeben sich daraus sogar veränderte Lebensperspektiven.


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Die ersten beiden Phasen der Trauer
Die erste Phase ist die Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens. Sie beginnt unmittelbar nach der Todesnachricht und dauert wenige Stunden bis wenige Tage. Nur in den seltensten Ausnahmefällen kann sie sich auch mehrere Wochen hinziehen. Charakteristisch für diese Phase der Trauer ist der Schockzustand. Der Hinterbliebene kann die volle Dimension des Geschehens noch nicht begreifen und äußert sich manchmal auch dementsprechend. Dann kommt es zum Beispiel zu solchen Äußerungen, dass der Verstorbene ja gar nicht tot sein könne und dass das alles nur ein Irrtum sein müsse. Andere Personen sind nach dem Erhalt der Todesnachricht zu gar keiner Reaktion fähig und verharren dann in einer apathischen Starre. Diese Reaktion kann verschiedene Gründe haben. Dabei dürfte aber vor allem eine Rolle spielen, dass der Hinterbliebene in diesem Moment nicht fähig ist, den ganzen Schmerz zu fühlen und ihn deshalb von seiner übrigen Welt abspalten möchte. Hier wäre es dann seine Aufgabe, den Tod Schritt für Schritt zu akzeptieren und als Teil der eigenen Realität zu begreifen.
Ist dies geschehen, tritt der Trauernde in die zweite Trauerphase sein. Diese Phase wird auch als die Phase der aufbrechenden Emotionen bezeichnet und ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Gefühle, die in der ersten Phase nicht vorhanden waren, nun in vollem Umfange hervorbrechen. Diese Gefühle können auch sehr widersprüchlich sein und nicht nur aus Trauer, sondern auch aus Wut, Enttäuschung, Schmerz und Schuld bestehen. Sie müssen ganz bewusst zugelassen und durchlebt werden. Wer hier merkt, dass er dies nicht allein schafft, sollte sich nicht scheuen, profesionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die letzten beiden Phasen der Trauer
Die dritte Trauerphase ist die Phase des Suchens und Sich-Trennens. Hier kommt es immer wieder zu den unterschiedlichsten Erinnerungen an den Verstorbenen, die teilweise von einem sehr tiefen und intensiven Abschiedsschmerz begleitet sind. Der Trauernde hat oftmals das Bedürfnis, sich zurückzuziehen, ist niedergeschlagen, erschöpft und fühlt ganz deutlich die Spuren, die der Tote im eigenen Herzen hinterlassen hat.
An die Phase des Suchens und Sich-Trennens schließt sich die Phase des neuen Welt- und Selbstbezugs an. Hier findet der Trauernde wieder Kraft, in die Zukunft zu blicken, sich neu zu orientieren und schließlich auch neue Energie zu schöpfen. Dabei wird auch der Tote weiterhin seinen gebührenden Platz haben, die Trauer ist jedoch nicht mehr überwältigend. Oftmals kommt der Hinterbliebene auch zu dem Bewusstsein, dass es ja gar nicht im Sinne des Verstorbenen wäre, ewig zu trauern, sondern dass auch der Verstorbene gewollt hätte, dass er sein eigenes Leben weiterlebt.